Den Horizont erweitern - Pädagogische Ferienwoche im Zeichen des Flüchtlingsstroms

 

Zahlreiche Ehrengäste bereicherten mit ihrem Fachwissen die Fachtagung der Pädagogen (v.l.): stellvertretender Landrat Eugen Gegenfurtner, KEG-Bezirksvorsitzender Erwin Müller, Vize-Bürgermeister Albin Dietrich, Abt Marianus Bieber, Caritas-Vorstand Dr. Michael Bär, Abteilungsdirektor Josef Schätz der Regierung von Niederbayern, Ministerialdirektor Herbert Püls, KEG-Landesvorsitzende Ursula Lay, KEG-Tagungsleiter Robert Drexler, Pfarrer Rainer Schießler und Dr. Franz Gruber, Leiter des Instituts für Politische Bildung der Hanns-Seidel-Stiftung. - Foto: Millgramm
 

Integration, Inklusion und Ökumene sind drei Themen, die Politik und Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigt haben. Auch die Katholische Erziehergemeinschaft Niederbayern (KEG), die Hanns-Seidel-Stiftung und Katholische Erwachsenenbildung beleuchteten und bearbeiteten diese Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und suchen nach Lösungsmöglichkeiten. Dazu haben sie sich jetzt mit zahlreichen Ehrengästen unter dem Motto „Integration – Gesellschaftspolitische Aufgabe in Erziehung und Bildung“ zur 62. Pädagogischen Ferienwoche in der Landvolkshochschule Niederalteich versammelt.

In diesem Jahrzehnt, da die westeuropäische Welt von unzähligen verzweifelten und hilfesuchenden Menschen aus den Krisenherden der Welt nahezu überschwemmt wird, in der immer mehr Fremdländische dauerhaft bei uns bleiben und damit Teil unserer Gesellschaft werden, rückt die Aufgabe einer gelingenden Integration auch immer mehr in den Mittelpunkt von Bildung und Erziehung.

„Als wir uns auf das Thema Integration festlegten, wussten wir noch nichts von der dramatischen Entwicklung“, so KEG-Tagungsleiter Robert Drexler in seiner Begrüßung. Gerade die Inklusion habe eine ganz neue Dimension bekommen, da es nicht mehr in erster Linie um die Integration von Kindern mit Handicap, sondern um schwer traumatisierte Jugendliche gehe. Die hohe Zahl an Flüchtlingen flöße Respekt ein, ob und wie dieser Ansturm bewältigt werden könne. „Wieviele Flüchtlinge verträgt eine Gemeinde? Bisher ist es Hilfsbereitschaft und das Engagement vieler Mitbürger, die eine Integration vorantreiben – aber wann schlägt die Stimmung um?“, fragte er provokativ und zählte noch zahlreiche weitere problematische Fälle wie die Integration in Schulen auf. Das globale Problem spiele aber die Hauptrolle, dass der Lebensraum der auf der Flucht befindlichen Menschen wieder lebenswert und angstfrei gemacht werden müsse, damit die betroffenen Länder durch die Flucht gebildeter, junger Menschen nicht weiter ausbluten.

Ministerialdirektor Herbert Püls vom Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vertrat die verhinderte Staatsministerin Emilia Müller. Er wies in seiner Festrede darauf hin, dass schon heute jeder fünfte Bürger in Bayern einen Migrationshintergrund besitze. Viele von ihnen seinen hervorragend integriert. „Für das Jahr 2015 erwarten wir deutschlandweit 450000 Asylbewerber, vor sieben Jahren waren es noch 20 000“, fasste er das Problem dann aber knapp zusammen. Die Regierung sei bemüht für eine gerechte Verteilung zu sorgen. Außerdem bemühe man sich neue Aufnahmelager für Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern zu gründen, die dort ein beschleunigtes Verfahren durchlaufen, und weitere Länder als sicher erklären zu lassen. „Nur so können wir die Kapazitäten schaffen, um uns um die wirklichen Flüchtlinge und Schutzbedürftigen zu kümmern“, so Püls. Nachdem auch Asylbewerberkinder nach dem Auszug aus der Erstaufnahmeeinrichtung ein Recht auf einen Betreuungsplatz hätten, müsse man vor allem die Kindertageseinrichtungen in ihrer Arbeit unterstützen. Dazu würden vom Staatsinstitut für Frühpädagogik entsprechende Leitlinien verfasst und auch entsprechende Fortbildungsreihen angeboten, die vor allem die interkulturellen Kompetenzen und den Umgang mit den Traumafolgen zum Thema hätten. Gelingen könne die Integration aber nur durch die Arbeit der Erzieher vor Ort: „Bleiben sie bei dieser anspruchsvollen Aufgabe weiterhin so motiviert wie bisher“, rief er die Anwesenden auf.

Auch Abt Marianus Bieber vom Kloster Niederaltaich wies in deutlichen Worten auf die Quintessenz von Integration hin: „Das ist keine Einbahnstraße, Menschen werden nicht nur durch uns, sondern auch wir durch sie verändert“, erklärte er. „Ein kopierter Bajuware, das geht vielleicht bei Django Asül, aber nicht bei jedem.“ Also sei es die Aufgabe aller ihren Horizont zu erweitern. „Das ist Aufgabe, Chance und Herausforderung zugleich, besonders für Schule und Kindergarten.“ 

 

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