Wie Lehrer die ständig ansteigenden Anforderungen bewältigen können

Hilfen gegen Stress und Burnout beim 9. KEG Treff
Prüfungsvorbereitungskurs für Lehramtsanwärter

Niederalteich: Die Anforderungen an Lehrkräfte und Erzieherinnen steigen ständig: neue Lehrpläne, Inklusion, Integration, sozial auffällige Kinder und Eltern, die ihrer ureigensten Erziehungsaufgabe nicht mehr nachkommen, der Schule aber bisweilen äußerst negativ gegenüber stehen. Die Arbeit in Schulen und Kindergärten ist zu einem der anstrengendsten Berufe geworden, Fälle von Burnout, Resignation und Erschöpfung nehmen dramatisch zu. Die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) in Niederbayern will hier Hilfen anbieten. Beim 9. KEG-Treff in Niederalteich zeigte Stefan Schmid, Coach und Trainer für die „Work Life Balance“, Wege auf, wie man auf gelernte Ressourcen wieder zurück greifen und sich selber wieder steuern kann.

Robert Drexler, stellvertretender Bezirksvorsitzender, Koordinator und Leiter der Tagung konnte eine überaus große Anzahl von Gästen aus ganz Niederbayern begrüßen, die an den eineinhalb Tagen abschalten und sich etwas Gutes tun wollten. Mit einem niveauvollen Kulturprogramm starteten die KEG`ler in den Freitag Nachmittag. Anneliese Wagerer bot eine Dichterlesung vom Feinsten. In Prosa und Lyrik erzählte sie von der Kinder- und Jugendzeit der 50er Jahre und regte zum Schmunzeln an über nette Begebenheiten in Familie und Jahreskreis.
 

Die erweiterte Bezirksvorstandschaft traf sich zu einem Gesprächskreis. Vorsitzender Erwin Müller berichtete über die Verbandsarbeit auf Bezirks- und Landesebene und nahm Ministerien und Regierung kritisch unter die Lupe. Die Situation an den Schulen ändere sich ständig mit rasanter Geschwindigkeit, viele Vorgaben von oben seien vielfach vorschnell und unvollständig erstellt, die Lehrpersonen fühlten sich oft als Versuchskaninchen und gerieten wohl schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Peter Freudenstein, Datenschutzbeauftragter des Schulamtes Passau, überraschte mit einer Vielzahl von Neuigkeiten auf dem Sektor des Datenschutzes. Oft frage man sich, ob man gewisse Daten überhaupt brauche, und ob die Erfassung gesetzlich erlaubt sei. Alle Daten müssten streng geschützt sein, Vorsicht sei geboten bei Weitergabe an Dritte. Der Datenschutzbeauftragte gab wertvolle Tipps zur Verwendung von sicheren Passwörtern.

Die KEG hatte aus aktuellen Anlässen einen Versicherungsfachmann eingeladen. Joachim Treffer von der Deutschen Beamten Versicherung, Partner der KEG, referierte über die Begriffe „Dienstunfähigkeit und Berufsunfähigkeit“ und über ihre Folgen. Die KEG habe in ihrem Beitrag eine zuverlässige und günstige Haftpflicht- und Schlüsselversicherung inkludiert, was vielfach zu wenig bekannt sei. Der Abend gehörte bei kulinarischen Schmankerln und guten Gesprächen der Gemeinschaftspflege, musikalisch umrahmt von dem 14 jährigen Florian Franzmann auf der Steirischen Harmonika.

Robert Drexler stellte am Samstag im übervollen großen Saal St. Benedikt die Frage in den Raum: „Kann das pädagogische Personal in allen Einrichtungen die ständig steigenden Anforderungen noch bewältigen und damit zurechtkommen?“ Er gab die Antwort dazu: „Nein, sie müssen. Sie sollen können müssen!“ Damit war das Tagungsthema umrissen. Stefan Schmied sagte, er habe als Trainer und Coacher vielen Menschen geholfen, die schwierige Klassen und Misserfolge hatten, die sich abgelehnt fühlten und fertig waren. Nicht das Denken, sondern Affekte und Emotionen steuern den Menschen. Ausgehend von den verschiedenen Gehirnbereichen sagte der Referent, man brauche Affekte, müsse sich aber auch erreichbare Ziele setzen. In einem fast dreistündigen Vortrag gab Stefan Schmid humorvoll, heiter, aber auch hintergründig eine Fülle von Ansätzen, wie man sich vor Stress, Kontrollverlust und Burnout schützen könne. Er zeigte Wege, wie man einen anderen Umgang mit negativen Affekten lernen kann, um so gelassener zu werden und wie man neue Selbststeuerungskompetenzen erhält durch Regulierung negativer Stimmungslagen.

Nach dieser etwas harten Kost genossen am Nachmittag die Tagungsteilnehmer die Arbeitskreise. Die Schulleiter, Lehrer, Förderlehrer und Sozialpädagogen trafen sich zu einem Gedankenaustausch „Wo uns der Schuh drückt.“ Die Pädagogen a.D. und viele Interessierte kamen zu einem „ganzheitlichen Gedächtnistraining mit Spaß und allen Sinnen“, geleitet von Edith Hartmann. Mechthild Kapfinger hatte ein volles Haus beim „Häkeln mit Draht.“ Die Erzieherinnen bastelten prächtige Schalen, Kränze und Tischläufer. Während der gesamten Tagung betreuten Irene Drexler und Bettina Zauner wieder die Kinder der Gäste. Nach guter Tradition hatte Verena Hötzinger von der Arbeitsgemeinschaft junge Erzieher wieder parallel zum KEG-Treff zum zweitägigen Prüfungsvorbereitungskurs mit SR i.R. Jakob Kaufmann eingeladen, der sehr gut besucht war.

Text und Fotos: Josef Reischl

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