7. KEG-Treff - Frühjahrstagung 2013

„Gesundheit!“ – Mehr als ein frommer Wunsch und mehr als Abwesenheit von Krankheit?
Seminar der KEG Niederbayern für geforderte PädagogInnen
Renate Köckeis begeisterte mit Workshop zur Lehrergesundheit
Verena Hötzinger hatte zum Prüfungsvorbereitungskurs der AjE eingeladen

Niederalteich. Seit mehreren Jahren ist es gute Tradition der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) in Niederbayern, so um den Frühlingsanfang herum zu einer kleinen „Verschnaufpause“ nach Niederalteich einzuladen. Stellvertretender Bezirksvorsitzender Robert Drexler, jun. hatte als Koordinator der Tagung mit dem viel versprechenden Thema zu einer „ganzheitlich kreativen Salutogenese für vom Stress des Schulalltags geplagte PädagogInnen“ auch heuer wieder einen Volltreffer gelandet. An die 60 Lehrer und Lehrerinnen aller Schulgattungen aus ganz Niederbayern hatten sich zum KEG-Treff im Haus St. Pirmin der Abtei Niederalteich angemeldet, um sich zwei Tage Zeit zu nehmen, sich etwas Gutes zu tun, um abzuschalten und im Kreise Gleichgesinnter zu entspannen, um durchzuschnaufen und wieder aufzutanken.
 


Bei allen KEG Veranstaltungen gibt es immer ein Kulturprogramm. So begleitete Rektorin Beate Sagmeister bereits am Freitagnachmittag die Tagungsteilnehmer ins Stadtmuseum in Deggendorf zur barocken Jahreskrippe. Fürwahr ein „Heiliges Theater“ und ein Erlebnis der besonderen Art. Die Mitglieder der erweiterten Bezirksvorstandschaft trafen sich, um die 60. Pädagogische Ferienwoche im Juli/August abschließend vorzubereiten. Bezirksvorsitzender Fritz Doering referierte über das Neuste aus der Schul- und Standespolitik. Der Abend gehörte der Geselligkeit im Kellerstüberl.

Der Samstag stand dann ganz unter dem Thema „Gesundheit für geforderte und im Schulalltag der heutigen Zeit vielfach überforderte Pädagogenseelen“. Tagungsleiter Robert Drexler hieß hierzu die Körper-, Tanz- und Ausdruckspsychotherapeutin Renate Köckeis willkommen, vielen schon von einer früheren Tagung her bekannt als Burnout-Prophylaxe-Spezialistin. Mit stimmungsvoller Musik, fein gefühlten Bewegungen und einem ausgewogenen Zusammenspiel von Theorie und Praxis und vor allem mit „Wortzerlegungen“ verstand es die Dipl. Sozialpädagogin (FH) geschickt, die Teilnehmer von Anfang an voll in ihren Bann zu ziehen.

In vielen Phasen des Lebens sei man oft konfus, stehe daneben, ver-stehe sich selber nicht mehr. Man fühle sich krank, sei nicht mehr gesund. Dann solle man sich öfter mal hin-setzen, zu sich-kommen, aber auch wieder hoch-kommen. Dazu beruhigende Musik, in sich zusammen sinken, sich selber streicheln bei rhythmischem Crescendo, sich wieder aufrichten, dahin gleiten in schwungvollen Bewegungen und kräftigem Rhythmus. „Was führt mich nach oben?“ Renate Köckeis meint, von den drei bekannten Varianten sei wohl die „bayerische“ die beste, nämlich ruhig und gelassen in der Mitte stehen. Bei der „esotherischen: ich lieb euch alle“ werde man wohl wieder vereinnahmt.

Die Therapeutin warnte davor, im Leben für alles zuständig sein zu müssen. Man soll sich öfter die Frage stellen: „Nenne ich das noch mein Leben?“ Die Resonanzpsychologie sage, man solle mehr auf sich selber schauen und weniger nur auf die anderen, sonst werde man da allmählich „ver–rückt“ Im bewussten Schauen würden sich Gefühle, Herzschlag und Atem verändern. Viele Menschen würden nicht richtig atmen, seien wohl in Angst, atmen zu eng. Am Atmen könne man schon erkennen, ob jemand gesund ist, so die Ausdruckspsychologin. In praktischen Übungen erlebten alle, getragen von kräftigender Musik, wie gut es tut, Körper und Seele, Atmung und Bewegung in Schwung zu bringen.

Ausruhen bei meditativer Musik auf der Decke. Renate Köckeis spricht leise: 65% der Deutschen glauben in ihrem Alltagswahnsinn, sie seien krank, allein 50% meinen, sie seien es psychisch, 95% hätten oft das Gefühl der „Ohn-Macht“. Sie regte zum Nachdenken an mit der Statistik: Von 10 Krankheiten seien drei bis sechs nicht mehr erklärbar, auch nicht mit der schulmedizinischen Lehre. Wenn man sich gesund fühle, sei man bereits ein Außenseiter. Und was ist nun Gesundheit? Dazu die Körpertherapeutin: „Gesund ist man, wenn man sich wohl in seiner Haut fühlt, wenn man im Einklang mit sich selber, den Mitmenschen und der Umwelt steht, wenn man sowohl Unterforderung als auch Überforderung vermeidet.“

Und was ist nun folglich Krankheit? Dazu Renate Köckeis: „Kein Mensch ist ganz gesund, kein Mensch ist ganz krank!“ Wenn einen das „Schick-sal“ der Krankheit treffe, dann solle man den Focus nicht auf die Krankheit richten, sondern auf Heilung. Nicht sagen: „Ich bin krank, sondern nur ein Teil von mir reagiert krank!“ Hier tat dann ruhige Musik gut, schließlich Stille, nachdenken und hineinhören in sich

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende Erwin Müller fasste seinerseits spontan und durchaus bewegt die Eindrücke des Tages zusammen. Man müsse sich wohl öfter Zeit nehmen und das eigene Leben in die Hand nehmen und sich auch mal eine Auszeit gönnen im Stress von Inklusion, Evaluation und Migration. Als Schulleiter sei man auch verantwortlich für die Gesundheit seiner Kollegen und Kolleginnen.

Der Samstag Nachmittag war einigen Workshops vorbehalten. Viele holten sich bei Renate Köckeis noch kreative Anregungen für den Alltag. Bei Rektor Erwin Müller gab es einen Gedankenaustausch zu „Wo uns der Schuh drückt.“ Sonderschulrektor Klaus Welsch informierte über Inklusion - Anspruch und Wirklichkeit. Die Pädagogen a.D. besprachen die Arbeit in den Kreisverbänden und planten das nächste Treffen in Schweiklberg. Regen Zuspruch hatte Fachoberlehrerin Karin Schubert mit ihrem Workshop „Seifenverarbeitung mit natürlichen Zutaten." 15 Kinder waren an beiden Tagen in besten Händen bei der Betreuung durch Irene Drexler.

An beiden Tagen fand parallel wieder der schon zur Tradition gewordene Prüfungsvorbereitungskurs mit SR Jakob Kaufmann statt, zu dem die AjE-Vorsitzende Verena Hötzinger Lehramtsanwärter aus ganz Niederbayern eingeladen hatte.

Text und Fotos: Josef Reischl

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