Herbsttreff der Pädagogen a.D. in der Abtei Schweiklberg vom 9.bis 12. Sept.2019
Die „Bergpredigt“ heute - Faszinierende Kontraste im Chemiedreieck - Tipps für knochenharten Lebensstil – Alte Reime, Geistergeschichten und Lieder

Text und Fotos: Josef Reischl

Nach guter alter und vor allem lieb gewordener Tradition machen sich in der ersten Schulwoche Pensionisten auf den Weg zum Herbsttreffen der Pädagogen a.D. in der Benediktiner-Abtei Schweiklberg ob Vilshofen. Sie wollen Besinnung und Kultur genießen, Neues in der Bildungslandschaft erfahren, dem legendären Geist von Schweiklberg nachspüren und vor allem Tage mit Muse, Frohsinn und KEG Gemeinschaft verbringen. Heuer konnte der Leiter des Referats Gottfried Konrad eine überraschend gute Anzahl von Pensionisten aus ganz Niederbayern und auch angrenzenden Bezirken begrüßen, unter ihnen auch einige „junge Pensionisten“. Prior Administrator, Pater Benedikt wünschte den Gästen vier gut tuende Tage im Gästehaus St. Benedikt.
 

Die Tagung beginnt traditionsgemäß immer mit einem Impulsreferat. Msgr. Pfr. i .R. Ludwig Zitzelsberger betrachtete die Texte der Bergpredikt und betonte: „Sie sind ein Programm, das unser ganzes Leben gestalten kann.“Der Evangelist Matthäus habe sie in späteren Jahren in neun Seligpreisungen geschrieben, wobei er wohl verschiedene Jesusworte zusammengefügt habe. Es sei falsch, diese wichtigen Worte Jesu politisch umsetzen zu wollen, man müsse sie im gesellschaftlichen, sittlichen und religiösen Leben der sich ändernden Zeiten mit Inhalten füllen. Dann heiße die Kernaussage: „Ein Seliger ist, wer Frieden bringt und seine Ziele nicht mit Gewalt verfolgt.“

In der Stille der Klosterkirche ließen alle bei der abendlichen Vesper der Mönche die Thematik nachwirken. Der Tag klang in froher Runde im Kellerstübchen aus, wobei Josef Reischl in einer Bilder-Show den Bogen zurück spannte auf das Treffen im Vorjahr und vor zehn Jahren.

Der Dienstag begann wie jeden Tag mit Morgengymnastik mit Birgit Magg, der Mitorganisatorin der Tagung. Dann stand die große Exkursion ins „oberbayrische Chemiedreieck“ mit seiner riesigen, innovativen Industrie auf dem Programm. Eine kompetente Führerin begleitete die KEG-ler durch die denkmalgeschützte, romantische Altstadt von Burghausen bis hin zur altehrwürdigen, neugotischen Stadtpfarrkirche St. Jakob. Beeindruckend war dabei für alle das grandiose Panorama mit der längsten Burganlage der Welt (1051m) hoch über der Salzach. Ein faszinierender Kontrast auf der Rundfahrt war abschließend die pulsierende Neustadt mit modernsten Anlagen und Einrichtungen für Freizeit und Kultur, für die Bürger kostenlos, denn dank der großen Steuereinnahmen gehört Burghausen zu den reichsten Städten Deutschlands.

Nach dem Mittagessen wartete ein „Augen- und Sinnenschmaus“ der besonderen Art auf die Pädagogen a.D., das Kloster Raitenhaslach mit der dreischiffigen, romanischen Pfeilerbasilika, Ende der 80er Jahre wieder zu neuem Glanz erstellt als ein Juwel des späten bayerischen Barock. Pfarrer i. R. Franz Eicher begeisterte die Gäste in „seiner Kirche“ und ließ sie ein „Theatrum sanctum zum Innehalten und Staunendürfen“ erleben.

Nur ein paar Kilometer weiter grüßt hoch über der Salzach ein weiteres Schmuckstück, die Wallfahrtskirche Marienberg, bekannt als „Perle des Salzachtales“. 50 Stufen führen hinauf zu dem prachtvollen Kirchlein mit dem Gnadenbild im Hochaltar. Wieder zurück in Burghausen gab es hoch über der Alz in einem Gasthaus eine gemütliche Kaffeestunde mit atemberaubender Aussicht auf die größte Burganlage der Welt.

Nach dem Abendessen besuchte Fritz Doering, langjähriger Bezirksvorsitzender und Mitglied im Hauptpersonalrat die Pensionisten, referierte über die aktuelle Schul- und Standespolitik und beleuchtete kritisch die derzeitige Personallage. Interessant war für die Zuhörer, dass Antragstellung und Bearbeitung der Beihilfe für die Beamten digitalisiert werden sollen. Zur geplanten Bürgerversicherung stellte Fritz Doering fest, die herkömmliche Alterssicherung zeige Schwachstellen. Eine Bürgerversicherung solle dies auffangen.

Am Mittwoch-Vormittag gab Diplom-Oecotrophologin Ulrike Dreihäupl wertvolle Tipps und Anregungen zu einem „knochenstarken Lebensstil, durchaus lustvoll und bewusst“. Normal seien körperliche Veränderungen ab der Lebensmitte. Die Referentin ging auch auf altbekannte Tipps ein, verstand es jedoch trefflich, hier Vorurteile und falsche Ratschläge zu beurteilen, die raffinierten Tricks der Werbung mit Humor zu entkräften und viele neue Erkenntnisse der Wissenschaft kritisch zu beleuchten.

Der Nachmittag gehörte dann der Muse. Der Heimatkundler und Schriftsteller Karl Heinz Reimeier aus Grafenau erfreute die Zuhörer mit alten Kinderreimen, einfachen Gedichten und Geschichten in der Volkspoesie und lustigen Liedern aus dem Bayerischen Wald, die er mit der Gitarre begleitete. Dann wurde es ganz still im Saal St. Anselm. Reimeier trug ausdruckstark wohlig schaurige „Weihraz-Geschichten“ vor, das sind Gespenster- und Geistergeschichten, die er alle persönlich erzählt bekommen hat. Man spürte förmlich die wilde Jagd, sah den Teufel mit Ziegenfüßen und erlebte die böse Trud. Der musische Teil fand abends eine Fortsetzung im Kellerstübchen mit unterhaltsamen Beiträgen, frohen Liedern, lustigen Erzählungen aus dem Schulalltag früherer Zeiten und manchem guten Witz.

Mit Pater Matthias feierten alle am letzten Tag Gottesdienst. In seiner Predigt betonte er: „Die Mutter Gottes ist eine Hörende gewesen und als solche Vorbild für uns!“ Jesus habe nur gepredigt und nichts Schriftliches hinterlassen. Nur durch Hören seien die Menschen zum Glauben und zum entsprechenden Handeln gekommen.

In der Abschlussbesprechung dankte Gottfried Konrad allen, die das herbstliche Treffen wieder zu einer bereichernden Veranstaltung werden ließen. Der Termin für das nächste Jahr: 14. bis 17. September 2020. Mit den „Irischen Segenswünschen“ verabschiedeten sich alle vom Schweiklberg.

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