Herbsttreffen der Pädagogen a.D. in der Abtei Schweiklberg vom 17.9. bis 20.9.2018 unter dem Leitwort „Natur – Heimat – Harmonie“
Unterwegs auf den Spuren des großen Dichters Adalbert Stifter im Bayerischen – und im Böhmerwald

Nach guter alter Tradition packen seit Jahren Pensionisten in der zweiten Schulwoche ihre Koffer und fahren nach Schweiklberg ob Vilshofen zum Herbsttreff der Pädagogen a.D. Sie wollen dem legendären „Geist von Schweiklberg“ nachspüren, Besinnung und Kultur genießen, viel Neues in der Bildungslandschaft erfahren und darüber diskutieren, bestehende Freundschaften vertiefen und frohe Tage in KEG - Gemeinschaft mit Muse und Harmonie erleben.

Heuer konnte der Leiter dieses Referats, Gottfried Konrad, eine gute Anzahl von Pensionisten aus ganz Niederbayern und auch aus angrenzenden Regierungsbezirken begrüßen, unter ihnen auch einige „junge Pensionisten“. Prior Administrator, Pater Benedikt wünschte den Gästen geruhsame und gewinnbringende Tage im Gästehaus St. Benedikt und eine gute Zeit für tiefe Begegnungen.

 



Traditionsgemäß beginnt die Tagung am Montagnachmittag immer mit einem geistigen Impulsreferat. Domprobst i.R. Hans Striedl, Passau, führte mit „Sieben Tipps für ein harmonisches Leben im Alter“ passend in das Tagungsmotto ein. Seine beglückenden Ausführungen, gewürzt mit Humor und trefflichen Witzchen, immer gepaart mit einer Portion Lebensweisheit waren für alle ein Erlebnis. Der erste Tipp war ein schwieriger Satz: „Sag ja zu dir selbst!“ Ein Ja zum Alter und zu Krankheiten, zu Fehlern und gemachten Dummheiten, zu nachlassendem Gedächtnis und zunehmender Vergesslichkeit.

Ein wichtiger Gedanken war: „Sei dankbar!“ - Hans Striedl weiter in seinen Ratschlägen: „Nimm dich nicht so wichtig! Es geht auch ohne dich weiter“. Augenzwinkernd fügte er hinzu: „Aber meist nicht so gut.“ Sein vierter Tipp: „Haben sie Humor im Herzen!“ Ein weiterer Fingerzeig: „Übe dich im Warten! Wer in der Jugend einen Weinberg anlegt, hat im Alter Trauben!“ Eine tragende Säule im Alter sei: „Vergiss das Gebet nicht, es hilft vieles tragen!“ Großen Raum gewährte der Domprobst i.R. dem siebten Tipp: „Freuen sie sich auf den Himmel, denn der Herrgott wird wohl unsere kühnsten Erwartungen übertreffen, wenn auch kein Auge es bisher gesehen hat!“ --In der Stille der Klosterkirche ließen alle bei den Psalmodien der abendlichen Vesper der Mönche die Thematik nachwirken. Der Tag klang in froher Runde im neu gestalteten Klosterstübchen aus, wobei Josef Reischl in einer Bilder-Show den Bogen zurück spannte auf das Treffen im Vorjahr. Dabei gab es viel zu erzählen.

Der Dienstag begann wie jeden Tag mit Morgengymnastik mit Birgit Magg, der Mitorganisatorin der Tagung. Dann stand die große Kulturfahrt nach Horni Plana (Oberplan) im tschechischen Böhmen anlässlich des Jubiläumsjahres zum 150. Todestag des großen Bayerwald- und Böhmerwaldichters Adalbert Stifter auf dem Programm, der wie wohl kein anderer deutscher Dichter in seinen Werken versucht hat, den Blick auf die Natur, auf die Heimat und auf das harmonische Zusammenleben der Menschen zu richten. Rektor i.R. Heinz Pollak, ein profunder Kenner der Werke des Dichters und der Waldlerheimat , führte in die Vita des großen Mannes ein.

Im ehemaligen Oberplan besichtigten die KEG –ler das Geburtshaus von Adalbert Stifter, der hier 1805 in einer Leinenweberfamilie geboren wurde. Eine kundige Führerin schilderte das außergewöhnliche Leben und Wirken des Dichters, Malers, Lehrers, Mathematikers, Physikers, Heimatforschers und Schulinspektors. Überall wertvolle Möbel, Schaukästen und Vitrinen mit Gemälden, Zeichnungen und Büchern, wie Bergkristall, Wittiko, Brigitta, Nachsommer, Hochwald, um nur einige zu nennen, alle übersetzt in 27 Weltsprachen.
Während der anschließenden Fahrt um den herrlichen Moldaustausee (Lippno) berichtete Heinz Pollak über die Entstehung des 52 km langen „Böhmerwald-Meeres“. Wegen der Hochwasser in Budweis und Prag sei 1952 bis 1959 die Moldau angestaut worden, 27 Dörfer, 535 Häuser, mehrere Kirchen und zwei Friedhöfe und die Heimat vieler Menschen seien darin versunken. Über das Waldgebirge ging die Fahrt hinüber nach Österreich mit atemberaubenden Blicken hinab ins Mühlviertel und weiter zum bayerischen Lackenhäuser am Fuße des Dreisessels zum Rosenberger Gut.

Eng befreundet mit der Familie Rosenberger verbrachte Adalbert Stifter von Linz aus jedes Jahr mehrere Monate im „Ladenstöckl“ des Gutshofes mit Urlaub , künstlerischer Muse und literarischem Schaffen. In einer umfangreichen Führung durch das Museum „Stifter und der Wald“ erlebte die Reisegruppe an Hand von exzellenten Exponaten den Menschen Adalbert Stifter als teilweise schüchternen Lebemenschen, ebenso als unruhigen, teils innerlich zerrissenen Geist und als herausragenden Schriftsteller, in einem Leben mit vielen Höhen und Tiefen, das am 28.Januar 1868 endete.

Am Abend gab es aktuelle Informationen und interessante Gespräche mit Konrektor Matthias Altmannsberger, Referent für Schul- und Standespolitik in der KEG Niederbayern. Er ging auf Mitgliederzahlen und –bewegungen ein und befasste sich eingehend mit dem „Problem Lehrermangel“ und mobilen Reserven. Auch die Lösung durch „Quereinsteiger“ aus Realschulen und Gymnasien mit Zweitqualifikationen sei nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen. Zu beklagen seien fehlende Weitsicht und Mangel an vernünftiger Planung der Politiker. Man solle nicht über die Schulämter schimpfen, diese verwalten nur die Probleme, die von oben kommen.

Der Mittwochvormittag stand dann ganz im Zeichen des Tagungsmottos „Natur –Heimat – Harmonie“, eingebettet in die Dichterlesung „Adalbert Stifter und die Lackenhäuser“. Rektor i.R. Heinz Pollak, bezeichnete diesen als einen der kühnsten und packendsten Erzähler in der Weltliteratur. Er habe Natur und Landschaften des Waldgebirges feinsinnig und mit magisch mystischer Sprache beschrieben, die Heimat innig geliebt und sich in seinen Werken um Harmonie unter den Menschen bemüht. So ließ Heinz Pollak das Tagungsthema und die Werke Stifters zu einer einzigartigen Symbiose verschmelzen. Er las nicht seitenweise aus seinen Büchern, er nahm wohl schöne Passagen heraus. Er ließ dagegen den Dichter oft aus seinen zahlreichen Briefen mit großen Wortgebilden selber sprechen. Mit eingeblendeten Portraits, Landschaftsaufnahmen und Stifters Malereien wurde die Lesung bereichert und aufgelockert mit Mundartliedern, von Robert Drexler auf der Gitarre begleitet.

Der Nachmittag gehörte der bayerischen Harmonie, nämlich dem Bier. Nach einem kleinen Fußmarsch vom Schweiklberg hinab nach Vilshofen begleitete eine kundige Führerin die Pädagogen a.D. durch die prächtige Altstadt. Vor dem Geburtshaus von Josef Groll erzählte sie, wie dieser in Böhmen das berühmte Pilsener Bier erfunden und dann nach Vilshofen gebracht habe. Hinter einem schweren Tor dann lange Gewölbegänge aus dem 17. Jahrhundert und seitlich abführende Stollen in große, aus dem Felsen geschlagene Bierkeller, magisch beleuchtet, mit vielen Stationen und trefflich aufbereitet: „Vilshofens Bier-Unterwelten“. Die Besucher erfuhren viel über Bierherstellung, Lagerung und Wirtshauskultur. Am Schluss gab es natürlich ein kühles Wolferstetter Pils. Nach guter Tradition setzten sich alle am Abend nach einem opulenten bayerischen Buffet in gemütlicher Runde zusammen bei frohen Liedern, unterhaltsamen Beiträgen, lustigen Erzählungen und so manchem guten Witz.

Mit Pater Matthias feierten alle am letzten Tag Gottesdienst. In seiner Predigt sagte er, in der von Gott geschaffenen Natur seien jedem Menschen bestimmte Orte besonders vertraut und wichtig. Werde er dort von Mitmenschen in Harmonie aufgenommen, so werde das zur Heimat. Heimat sei ein Geschenk Gottes und führe über in die ewige Heimat beim Herrgott. In der Abschlussbesprechung dankte Gottfried Konrad allen, die das herbstliche Treffen wieder zu einer bereichernden Veranstaltung werden ließen. Für das nächste Jahr wurden Planungen besprochen. Mit dem Lied „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr…“ verabschiedeten sich alle vom Schweiklberg.

Text und Fotos: Josef Reischl

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