Herbsttreffen der Pädagogen a. D. in Schweiklberg
11.09.2017 bis 14.09.2017
„Zusammen nach vorne schauen“

Dass viele Pensionisten in der KEG sich nicht „zum alten Eisen“ zählen, zeigten sie beim traditionellen Herbsttreffen in der Benediktinerabtei Schweiklberg bei Vilshofen. Bereits einen Tag vor Beginn des neuen Schuljahres zog es heuer so manche Ruheständler hinauf auf den Schweiklberg, um aktuelle Informationen über Standes- und Bildungspolitik zu erfahren, Neues über die Situationen an den Schulen zu hören, sich ein paar Tage etwas Gutes zu tun, KEG-Gemeinschaft zu pflegen und um dem „legendären Geist von Schweiklberg“ nachzuspüren. So konnte der Betreuer der Päd. a.D. Gottfried Konrad unter dem Leitwort zum Jubiläumsjahr der Reformation „Zusammen nach vorne schauen“ 30 Kollegen/innen im Gäste- und Tagungshaus St. Benedikt begrüßen. Der neu gewählte Obere des Klosters, Prior-Administrator Pater Benedikt, stellte sich vor und wünschte geruhsame Tage und eine gute Zeit für tiefe Begegnungen.

Das Herbsttreffen begann mit einer beglückenden Symbiose zwischen stimmungsvollen Naturfotografien und mutgebenden Sinnmetaphern, ausdrucksstarken Gedichten und tiefgehenden Texten. Akademischer Direktor, Dr. Fritz Haselbeck las aus seinem neuen Text-Bildband „Natur in Augenblicken“, begleitet mit opulenten Makroaufnahmen von Pflanzen und Tieren, dem Auge im Normalfall verborgen. Robert Drexler sen. vertiefte die literarische und künstlerische Stimmung mit wohltuenden Beiträgen auf dem E-Piano. Der erste Tag schloss mit einem geselligen Zusammensein bei einer Bilder-Rückschau auf die beiden letzten Jahre, die Josef Reischl moderierte.


 
Am zweiten Tag beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv mit der Thematik des Lutherjahres, vor allem mit der Ökumene, besonders geglückt im Markt Ortenburg, zwischen Vilshofen und Bad Griesbach, eine große evangelische Insel mitten im katholischen Niederbayern. Die KEG-ler besuchten dort die  Ausstellung „Evangelisch mitten in Bayern“.  Pfarrerin Sabine Hofer und Studienrat Engel erklärten die wechselvolle Geschichte Ortenburgs, wo Graf Joachim von Ortenburg nach dem Augsburger Religionsfrieden im Oktober 1563 mit dem ersten evangelischen Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche die Reformation auch in Ortenburg einführte nach dem damals üblichen und harten Gesetz „cuius regio, eius religio“. In der aber dann allmählich einsetzenden Gegenreformation und Rekatholisierung in Österreich und Bayern seien schließlich viele Protestanten nach Ortenburg geflüchtet, das eine freie und unabhängige Reichsgrafschaft war.

Ein Besuch galt auch der altehrwürdigen, spätgotischen Laurentiuskirche im nahen Steinkirchen, bis zur Reformation katholische Pfarrkirche von Ortenburg, dann immer wieder umgebaut, um dem „Ansturm der evangelischen Gläubigen gerecht zu werden“. Nach dem Übergang Ortenburgs an das Königreich Bayern 1806 seien dann aber wieder viele Katholiken nach Ortenburg zurückgekommen, sodass 1892/93 für sie eine neue Pfarrkirchen errichtet werden musste, so Pfarrerin Sabine  Hofer. Die evangelische Gemeinde betreibe viele Einrichtungen, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrage gut zwei Drittel. Der Umgang miteinander sei vollkommen entkrampft und von großem gegenseitigem Respekt geprägt. Seit 1969 gebe es regelmäßig ökumenische Gottesdienste, die Geistlichen begegnen sich in großer Freundschaft.

Am Nachmittag besuchten die Tagungsteilnehmer das nahe Augustiner–Chorherrenstift Reichersberg auf der oberösterreichischen Seite des Inn, zwischen Braunau und Passau. 1084 als romanisch gotische Klosteranlage gegründet und nach einem Brand durch barocke Neubauten ersetzt, überstanden Kloster und Chorherren die Wirren der Reformation und der Gegenreformation mit den Bauernkriegen unbeschadet. Ein Chorherr erläuterte den KEG-lern die prächtige Kirche und die Bibliothek und führte sie durch die Kreuzgänge und die Ahnengalerie der Äbte und Pröbste zum Stiftshof mit seinen Arkadengängen und dem marmornen Michaelsbrunnen. Eine Einkehr im Klosterstüberl bei einem guten Gläschen Prälatenwein beschloss den Thementag. Am Abend stieß Bezirksvorsitzender Erwin Müller zu den Pensionisten und berichtete über die Situation an den Schulen, über die Erfolge des Coachings in den Lehrberufen und vor allem über die so genannte „gelbe Schule“.

„Wer rastet, der rostet“, so begann der dritte Tag mit Edith Hartmann, die mit einer Fülle von gezielten Übungen zur Schulung der Wahrnehmung und geistigen Beweglichkeit die Teilnehmer ganz schön einspannte in ein ganzheitliches Gedächtnistraining. Sie erläuterte die drei Speichermodelle des Gedächtnisses und  meinte: „Im Alter muss man sich nicht mehr alles merken müssen!“ Wichtig seien vor allem die Verbindung von Gedächtnis und Bewegung, weiter eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Pausen, desweiteren die Pflege meditativer Bereiche und sozialer Kontakte. Die Referentin band alle geschickt ein in Wortfindungsübungen und Denkflexibilität, lernen von kleinen Gedichten, vervollständigen von Sätzen mit Lücken, Ballwerfen, schwierigen Merksituationen und Erkennungsübungen.

Einen großartigen Schlussakkord zum Motto des Herbsttreffens setzte Dr. Elfriede Schießleder, Pastoralreferentin und Vorsitzende des KDFB in Bayern. Sie beleuchtete „Ökumene heute - 500 Jahre nach Luthers Thesen“ geschichtlich und christlich, gläubig und besorgt, kritisch und mit hoffnungsvollen Blicken in die Zukunft. Über 1000 Jahre hätten Christen miteinander gelebt, wobei sich immer wieder einige „ein bisschen daneben benommen hätten“, was schließlich zu berechtigter Kritik geführt habe. Die Spaltung habe nicht nur Deutschland tief erschüttert und zu schmerzhaften Trennungen im kirchlichen Leben, in Schulen und Familien geführt. Erst liturgische Erneuerungen, das 2. Vatikanum  und ökumenische Bewegungen hätten allmählich wieder die Konfessionen zu verbinden begonnen, wobei festzustellen sei, dass  ihre Führungsetagen noch sehr in Traditionen verharrten. Vor Ort und im alltäglichen Leben wachse schon längst zusammen, was zusammen gehöre. Der neue Papst unterstütze diese Bewegungen, er forderte, mehr die Gemeinden zu hören. Das Reformationsjubiläum solle auch für die katholischen Bischöfe ein Anlass zu Besinnung gewesen sein über die Stellung der Frau, die Beteiligung des Kirchenvolkes, das Zölibat, die Priesternot und die Gemeindezusammenlegungen.

Nach guter Tradition setzten sich alle in gemütlicher Runde zu einem festlichen Abend zusammen bei frohen Liedern und unterhaltsamen Beiträgen. Lustige Begebenheiten aus den Schulstuben der früheren  Jahre, persönliche Erlebnisse, Geschichten, die das Leben schrieb und so mancher gute Witz machten die Runde. Am Schluss das Lied: „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr…“

Mit Pater Matthias feierten alle am letzten Tag Gottesdienst. Mit Blick auf die letzten 500 Jahre sagte er, es gebe keinen Stillstand, das Leben des Einzelnen, wie der Gesellschaft wandle sich. Mutig solle man Veränderung angehen, das Aufbrechen sei oft nicht leicht, Abschied nehmen falle schwer. Im Vertrauen auf Gott solle man immer ein „ständig Suchender“ sein. In der Abschlussbesprechung dankte Gottfried Konrad allen, die das herbstliche Treffen wieder zu einer wirklich gelungenen Veranstaltung werden ließen. Gemeinsam wurden Planungen für das nächste Jahr besprochen. Zum Schluss die irischen Segenswünsche: „...und bis wir uns wieder sehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Text und Fotos: Josef Reischl

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