Herbsttreff 2016

Dass viele  Pensionisten/innen in der KEG sich nicht zum alten Eisen zählen, zeigten sie beim traditionellen Herbsttreff in der Benediktiner Abtei Schweiklberg. Wenn nach den Sommerferien die aktiven Kollegen/innen schon wieder in den Klassenzimmern stehen, zieht es so manchen Ruheständler  nach Schweiklberg, um aktuelle Informationen über Standes- und Bildungspolitik zu erfahren, Neues über die Schulsituation zu hören, sich ein paar Tage was Gutes zu tun, KEG-Gemeinschaft zu pflegen und um dem „legendären Geist von Schweiklberg“ nachzuspüren. So konnte der Betreuer der Päd. a.D. Gottfried Konrad unter dem Motto „Dem Leben begegnen“ wieder über 30 Kollegen/innen  im neuen Gäste- und Tagungshaus St. Benedikt begrüßen. Abt Rhabanus Maurus Petri wünschte geruhsame und gewinnbringende Tage und eine gute Zeit für tiefe Begegnungen.

Das traditionelle Treffen der Pensionisten beginnt nach guter Tradition immer mit einem geistigen Impulsreferat. Seniorenseelsorger Walter Sendner konfrontierte die Zuhörer mit einem aktuellen Thema, das zunächst aber alle stutzig machte: „Inklusion bei König David – in der Schule des israelitischen Herrschers“ und schließlich mit der Frage: „War das AT auch schon so modern?“ Er stellte einige Personen im 2. Buch David  vor, das so manche „Räubergeschichten“ enthält, Parallelen zur heutigen Zeit. So sei der kleine Marib Baal auf der Flucht unter die Räder gekommen und später von König David als gelähmter Krüppel an seinen Tisch geladen worden, obwohl von einer verfeindeten Sippe stammend.  

In den Büchern David und Samuel gebe es  viele für die damalige rabiate Zeit eigentlich nicht zu verstehende Beispiele von Inklusion, so der Referent. Man müsse nur das Alte Testament lesen. Der erste Tag schloss mit einem geselligen Zusammensein bei einer Bilder-Rückschau auf  die Treffen der beiden letzten Jahre, die Josef Reischl moderierte.

Am zweiten Tag stand nach der täglichen Gymnastik mit Birgit Magg Kultur auf dem Programm: die  Landesausstellung „Bier in Bayern“ in Aldersbach. Vorher aber besuchten alle die wohl schönste Marienkirche Bayerns „Maria Himmelfahrt“. Ihr barockes Aussehen erhielt sie durch den Baumeister Domenico Magazini und ihre spektakuläre Innengestaltung durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam. Prächtige Fresken und Deckengemälde und 403 Engel im Gotteshaus, alle mit einem lächelnden Gesicht.

Dann spürten die Pensionisten/innen, aufgeteilt in zwei Gruppen, dem  Geheimnis des bayerischen Nationalgetränkes nach und erfuhren eingangs, dass in Bayern einmal viel mehr Wein als Bier getrunken wurde. In den vielen Ausstellungsräumen wurden  die einzelnen Schritte der Bierherstellung aus nur drei Grundzutaten dargestellt und das bayerische Reinheitsgebot von 1516 erklärt. Interessant waren die Themenbereiche zu  Wirtshauskultur und dem Bier als Bedürfnisbefriediger und Gesundheitsrisiko.
 


Am Nachmittag stand das Leben auf dem Land im Mittelpunkt beim Besuch des Alpakahofes in Sicking bei Hengersberg. Die junge Bäuerin Sonja Schreiber erzählte, warum sie und ihr Gatte von der traditionellen Landwirtschaft auf die Zucht von Alpakas umgestellt hatten. Die Tiere seien Verwandte zu den Lamas und kämen aus dem Hochland von Bolivien, ihr Ankauf sei relativ teuer, ihre Haltung im Bayerischen Wald jedoch problemlos. Wertvoll sei die Wolle, das „Gold der Inkas“  genannt und nur Herrschern vorbehalten gewesen. Eine gemütliche Kafferunde und ein Besuch in der Wollstube beschlossen den Ausflug.

Am Abend stieß Bezirksvorsitzender Erwin Müller zu den Pensionisten und ging mit deutlicher Sprache auf  den Wandel im Bildungswesen ein. Hätten früher auch junge Lehrpersonen eine bewusste Standeshaltung gehabt, so seien heute sehr viele Studierende verängstigt und demotiviert, vor allem wegen der unsicheren Anstellungschancen in den Schultypen. Auch die Modelle zum Umschichten von einem Schultypus in einen anderen schreckten viele ab. Zu beklagen sei weiter der eklatante Mangel an mobilen Reserven.

Der dritte Tag war der Kunst und der Literatur gewidmet. Kollegin Karin Morawetz las aus ihrem kleinen Büchlein „Das Rotohrmäuschen“ kurze Geschichten für kleine und große Kinder. Ausgegrenzt wegen seiner großen Ohren, schafft es  genau mit diesen doch Großartiges, findet Anerkennung und seinen Platz im Leben. Eine wundersame Inklusion. Karin Morawetz hatte wieder heitere und nachdenkliche Kurzgeschichten in ihrem neuen Buch „Von grünen Riesen und anderen Helden“ zusammengefasst. Berührende und auch lustige Begebenheiten aus dem facettenreichen Leben, passend zum Tagungsmotto „Dem Leben begegnen“. Mit stimmigen Liedern wurde die wohltuende Lesung bereichert, am E-Piano von Josef Reischl begleitet.

Mit einer Portion Neugier besichtigten am Nachmittag die Pensionisten das ehemalige, lieb gewonnene Tagungshaus St. Beda, jetzt von der Diözesan Caritas als Heim für 36 Flüchtlinge genutzt. Man ging alt vertraute Wege, Erinnerungen wurden wach, doch das Haus hat wieder Leben. Wegen Erkrankung der  Referentin über „Versicherungsfragen im Alter“ konnte Gottfried Konrad kurzfristig eine exzellente Führung ermöglichen in der Rokoko Basilika des verkauften Klosters „Damenstift“ bei Osterhofen, von den Brüdern Asam ausgeschmückt zum „Thronsaal Gottes“. Der Abend war nach guter Tradition dem geselligen Beisammensein gewidmet mit unterhaltsamen Beiträgen, lustigen Geschichten, kleinen Sketchen und Witzen, gewürzt mit den schönen alten Volksliedern, am Instrument begleitet von Josef Reischl. Zum Schluss: „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr...
 
Die vier Tage schlossen mit einem Gottesdienst in der Klosterkapelle mit Prior Pater Matthias, bewegenden Fürbitten und einem Gedenken für verstorbene Mitglieder. In seiner Predigt stellte er die Worte von Dag Hammarskjöld in den Mittelpunkt: „Das Unerhörte und Tröstende, in Gottes Hand zu sein“.  Doch sei auch die Frage erlaubt, ob diese Erfahrung stimme, warum man oft nichts davon merke, und wer einen hält, wenn man sich selber nicht mehr halten kann. Nach finsteren Wegen merke man oft im Nachhinein, dass Gott einen doch in der Hand gehalten habe. In der Schlussrunde, an der auch Pater Prior teilnahm, dankte Gottfried Konrad für die Gastfreundschaft des Klosters. Kritisch wurde Rückschau gehalten und es wurden Planungen für das nächste Jahr angestellt. Nachdenklich stimmte das irische Lied zum Schluss: „Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott dich fest in seiner Hand...“

Text und Fotos: Josef Reischl

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