Herbsttreff der Pädagogen a. D. in Schweiklberg vom 22. bis 25.09.2014

Wenn die Kolleginnen und Kollegen nach den Sommerferien wieder ihre Schultaschen gepackt haben, schnüren nach guter alter Tradition viele Pensionisten in der KEG am darauf folgenden Montag ihre Koffer und fahren nach Schweiklberg zum Herbsttreff der Pädagogen a.D. Sie wollen frohe Gemeinschaft erleben, sich etwas Gutes tun und vor allem dem legendären „Geist von Schweiklberg“ nachspüren.

Heuer konnte der Leiter dieses Referats, Gottfried Konrad, über 30 Kolleginnen und Kollegen und einige Tagesgäste im Speisesaal des Klosters willkommen heißen. Auch Abt Rhabanus Maurus Petri begrüßte die Gäste im St. Beda Haus der Abtei und wünschte gewinnbringende Tage. Traditionsgemäß beginnt die Tagung immer mit einem „anspruchsvollen“, religiösen Impulsreferat, heuer mit Pfarrer i.R. Maximilian Pinzl, Simbach a.Inn, zum Thema „Älter werden – lebensfroh bleiben“.

Der Referent stellte klar: „Älter werden heißt nicht unbedingt altern und ist ein lebenslanger Prozess und zudem eines der schwierigsten Kapitel in der Lebenskunst!“ Dabei helfe die Natur mit ihren Jahreszeiten. Im Herbst des Lebens dürfe man sich über das Erreichte freuen und es mit anderen teilen. Viele Menschen empfänden das Älterwerden und „Altsein“ als größte Katastrophe des Lebens. Pfarrer Max Pinzl gab wertvolle Hilfen für das Älterwerden. Das Wichtigste sei: versöhnt leben, loslassen können und lebensfroh bleiben.

Älterwerden bedeute aber auch, sich wichtige Ziele zu setzen und das sichere Gefühl zu haben, dass man noch gebraucht werde. Weiter müsse man neugierig sein für Neues, in Kontakt bleiben mit der Großfamilie und dem Bekanntenkreis und sich engagieren für die Gemeinschaft. Mit besinnlichen Liedern, lebensfroh von allen aufgenommen, schloss sich der Kreis. In der Stille der Klosterkirche und bei den ruhigen Psalmodien der abendlichen Vesper der Mönche ließen wohl alle die Thematik nachwirken.

Im gemütlichen Klosterstübchen traf man sich in froher Runde bei Wein und Gesang. Josef Reischl spannte in einer Bilder-Show den Bogen zurück auf das Treffen im  letzten Jahr, dabei gab es viel zu erzählen.
 


 
Der Dienstag begann wie jeden Tag mit einer Morgengymnastik mit Birgit Magg, der Mitorganisatorin der Tagung, was allen gut tat. Dann stand eine Kulturfahrt nach Neuburg am Inn auf dem Programm. Gerhard Zieringer, Geschäftsführer des „Fördervereins Schloss Neuburg“, schilderte die wechselvolle Geschichte der Burganlage, die 1050 von den Grafen von Vornbach erbaut wurde, Katastrophen und Blütezeiten erlebte und schließlich zu verfallen drohte. Der Landkreis Passau habe schließlich die Burg für den symbolischen Preis von einer DM erworben und 1986-1988 als erstes in der Vorburg den Landkreissaal errichtet.

Gerhard Zieringer faszinierte die Besucher mit Erzählungen über die einzelnen wirtschaftlichen Gebäude der Burganlage und berichtete, der Landkreis habe bisher 30 Millionen in die Restaurierung des Schlosses Neuburg investiert, gefördert aus mehreren Finanzquellen. Auf der Brücke zum Ostflügel erklärte Gerhard Zieringer die imposante Wehranlage der Burg.

Die Pracht vergangener Zeiten spürte die Besuchergruppe auf der Treppe hinunter zum Schlossgarten. Die Schlosskapelle mit wertvollen Fresken und drei Marmorsäle erzählten von Glanz und Prunk auf Schloss Neuburg. Von einer Balustrade aus hatten die Gäste einen atemberaubenden Blick hinunter auf das österreichische Wernstein mit Marienbrücke und Mariensäule. Nach diesem einmaligen Genuss von Geschichte, Kunst und Kultur ließ man sich in der nahen Hoftaverne in historischem Ambiente das Mittagessen schmecken.

Ein weiterer Höhepunkt war am Nachmittag die Fahrt mit dem Salzsäumerschiff auf dem Inn von Schärding nach Passau und wieder zurück. Bei einer Tasse Kaffee genoss man vom Schiff aus zunächst die prächtige Silhouette von Schärding. Dann ließen die meisten vom Oberdeck aus die selten schöne Flusslandschaft des Inns auf sich wirken, bereits in buntem Herbstkleid. Es ging vorbei an Vornbach mit der altehrwürdigen Klosterkirche und an dem malerischen Wernstein mit dem einzigartigen Kubin-Haus. Von oben herab grüßte von seiner exponierten Lage aus das Schloss Neuburg.

Am Abend stießen Bezirksvorsitzender Erwin Müller und Fritz Doering vom Haupt- und Bezirkspersonalrat zu den Senioren der KEG. Der „dienstliche“ Abend begann mit einem Geburtstagsständchen für Gottfried Konrad, dem Leiter der Seniorengruppe. Erwin Müller stellte sich dann als neuer KEG Bezirksvorsitzender vor und erzählte sehr persönlich von Wohl und Wehe an den Schulen. Die Zeiten hätten sich vielfach radikal geändert. Viele Kinder hätten daheim kein Frühstück, oft auch kein Mittagessen mehr. Die Schule müsse hier einspringen. Probleme bereite die Inklusion, die Eltern würden oft knallhart gegen den fachlichen Rat der Schulleitungen bestimmen. An vielen Schulen gebe es wahnsinnige Probleme mit dem Migrationshintergrund, auch das Übertrittsverfahren sei eine enorme Belastung geworden. In diesen Situationen erleben viele Lehrer/innen den eigentlich schönen Beruf nur noch als Frustration.

Dann informierte Fritz Doering die Pensionisten der KEG mit aktuellen Infos über die Bildungs-, Standes- und Personalpolitik. Die Lehrerversorgung sei heuer relativ gut, zu beklagen sei aber nach wie vor, dass die Lehramtsanwärter fast allesamt in Oberbayern landen. Das Problem mit den Flüchtlingskindern werde größtenteils auf dem Rücken der Lehrpersonen ausgetragen. Fritz Doering sprach auch die komplizierte Thematik der Rente mit 63 an. Die Senioren ließen sich von einigen negativen Mitteilungen die Stimmung nicht verderben und blieben lange in gemütlicher Runde beisammen.

Am Mittwoch beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer mit „Altersgerechter Ernährung, Krankheiten und Wohlbefinden“. Paula Zeberer, Bachelor of Education und Ernährungswissenschaften gestaltete ihre Ausführungen ausgehend von der Lebensmittelvielfalt eher interaktiv mit den Zuhörern Sie stellte zehn Regeln auf und legte Wert auf saisonale und regionale Produkte. Eine klare Absage wurde den diversen und oft widersprüchlichen Diäten erteilt, man solle lieber auf den eigenen Körper hören. Die Referentin mahnte an, man solle mit der Deklarierung „bio“ sehr vorsichtig umgehen.

Ein absolutes Highlight war am Nachmittag die Dichterlesung mit Rektor a.D. Sepp Roßmeisl, Deggendorf, mit dem viel versprechenden Titel: „Wia schee... Hudala-Geschichten und Gedichte dalebt, dalust, daspecht und aufgschriebn!“ Gottfried Konrad konnte nicht nur den dichtenden Kollegen begrüßen, sondern zur Überraschung aller auch dessen Musikgruppe „drunter & drüber“.

In Gedichtform erklärte Sepp Roßmeisl, dass man im „hinteren Woid“ lustige Geschichten „Hudala“ nenne. Mit wohl gesetztem Dialekt geleitete er dann die Zuhörer durch das Kalenderjahr mit seinem reichen Brauchtum. Großen Raum gab der dichtende Lehrter dem Reichtum und der umwerfenden Ausdruckskraft der waldlerischen Mundart in humorvollen Beiträgen, führte mit hintersinnigem Humor in alte Schulstuben und zeichnete mit Witz Lehreroriginale und Kinder.

Dazwischen immer passende Musikstücke mit dem Dichter an der Klarinette, exzellent und fein dargeboten und vor allem wohltuend, weil ohne Verstärker. Fazit: Eine glückliche und besinnliche Sitzweil, lustige, aber auch nachdenkliche Stunden.

Den Abschlussabend im gemütlichen Kellerstübchen gestalteten Mitglieder mit Liedern und    Instrumentalmusik. Viel zu lachen gab es mit lustigen Erinnerungen und Witzen der Senioren, immer treffend dargeboten. Gemütliche Runden, aber auch Abschiedsstimmung, denn auch das Weinstübchen wird es nach Baumaßnahmen nicht mehr geben.

Am Donnerstag feierten die Tagungsteilnehmer mit Prior Pater Matthias Gottesdienst. In seiner Predigt ging er auf die oft stillen Wege des Menschen ein, die man sich selber nicht aussuchen könne. Die Wegstrecke im Alter brauche Lichtzeichen und erfordere Mut, Ausdauer und Hoffnung.

Im großen Saal versammelten sich alle zur Abschlussbesprechung, Vorausschau und Bedankung. Prior, Pater Matthias schilderte, wie es wohl mit dem Haus St. Beda weitergehen werde. In den neu errichteten Zimmern im Klostertrakt werde man die KEG beim nächsten Herbsttreffen aufnehmen können.

Text und Fotos: Josef Reischl

Unsere Homepage verwendet Cookies. Nähere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Durch die weitere Nutzung unseres Angebotes stimmen Sie der dort beschriebenen Nutzung von Cookies auf unserer Homepage zu.