Partnerklassen - Dargestellt an Hand eines praktischen Beispiels zwischen einem FZ-GE und einem Gymnasium

SoMi 01/2017 >>

Im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention werden in Bayern Möglichkeiten der Umsetzung gesucht. Im Bereich der Schule werden folgende 4 Varianten praktiziert (= Formen der Umsetzung nach BayEUG Art. 30a und Art. 30b):
-    Partnerklassen
-    Kooperationsklassen
-    Offene Klassen der Förderschule
-    Einzelintegration

Was sind nun Partnerklassen? Man hat sie früher „Außenklassen“ genannt. Seit 2011 wird der Begriff „Partnerklassen“ verwendet. Dabei werden Klassen der Förderschule vor allem der Schule zur geistigen Entwicklung an allgemeinen Schulen unterrichtet. Selten gibt es auch Regelklassen an Förderschulen. Es findet gemeinsamer Unterricht zwischen Regelschule und Förderschule statt, Art und Umfang des gemeinsamen Unterrichts vereinbaren die Lehrkräfte miteinander. Auch wenn zwei Klassen derselben Altersstufe miteinander eine Partnerschaft eingehen, werden (meistens) beide Klassen die meiste Zeit getrennt jeweils von ihrem eigenen Lehrer unterrichtet. Aber es gibt Lernprojekte, zu denen die beiden Klassen gemeinsam lernen. Dabei ist weniger die Vermittlung des gemeinsamen Unterrichtsstoffes das Ziel, sondern mehr das Miteinander, die Begegnung, das Näherkommen von Menschen mit und ohne Behinderung. Kinder verschiedener „Kulturen“ sollen die Möglichkeit bekommen, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und nicht fremd voneinander aufzuwachsen. (Mittlerweile gibt es allerdings auch vermehrt Partnerklassen, in denen gemeinsamer Unterricht – auch in den „Kulturtechniken“ (Grundschule) – bis zu einem Anteil von ca. 80/85 % stattfindet)

Im folgenden Beispiel soll ein tieferer Einblick in die Arbeit der Partnerklasse eines FZ-GE an und mit einem Gymnasium gewährt werden. Es handelt sich hier um eine Klasse der Mittelstufe mit 8 Jungen zwischen 8 und 12 Jahren. Vier davon sind Schüler mit Autismus, einer mit schweren Verhaltensauffälligkeiten. Die Klasse hat auch eine Pädagogische Assistentin.

Die Kooperation an diesem Gymnasium basiert auf vier Säulen. Da ist einmal das Wahlfach „Gemeinsames Lernen“. Dieses wird für die Schüler der 5. Bis 7. Klasse des Gymnasiums angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig, muss aber für das ganze Jahr verpflichtend sein. Die Angebote sind unterschiedlich: z.B. Sport, gemeinsames Basteln, Spielen und Feiern, Schlitten fahren und zweiwöchig für eine Stunde Chor-Singen. Zwei Mädchen aus der 6. Klasse sind sehr engagiert, kommen auch in den Pausen. Dies ist sehr positiv zu sehen, da beide dies freiwillig tun und sich bewusst dafür entschieden haben.

Eine zweite Säule stellen die Tutoren dar. Freiwillig ab der 10. Jahrgangsstufe, drei Jungen aus der 10. Klasse und drei Mädchen aus der Q11. Sie kommen in die Partnerklasse, um mit den Kindern Bastelarbeiten durchzuführen, zu einer Faschingsfeier oder zum Osterfrühstück oder um einen Ausflug (Automobilmuseum) oder einen gemeinsamen Schullandheim zu begleiten. Andere Aktivitäten wären die Gestaltung eines Gartenhauses im Schulgarten, gemeinsames Essengehen oder eine Feuerwehrausrüstung zeigen. Die stundenweise Integration einzelner Schüler in bestimmten Fächern stellt eine weitere Säule der Arbeit einer Partnerklasse dar. In diesem Fall werden drei oder acht Schüler in den Fächern Kunst, Sport und Erdkunde in einer 5. Klasse des Gymnasiums mit unterrichtet. Zu diesen Unterrichtseinheiten holen die Gymnasiasten die Kinder der Partnerklasse von deren Klassenzimmern ab und bringen sie wieder zurück.

Nicht vergessen werden darf der gemeinsame Unterricht mit der evangelischen Religionsgruppe einer 6. Klasse, der immer wieder stattfindet, vor allem zu bestimmten Anlässen: zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier, projektbezogenes Basteln oder auch „nur“ zum gegenseitigen Kennenlernen. Erfreulich dabei ist, dass die Kinder des Gymnasiums echtes Interesse zeigen.

Als Resümee kann festgestellt werden, dass Partnerklassen eine Möglichkeit darstellen, sich gegenseitig kennen zu lernen und mehr Verständnis füreinander zu entwickeln. Dabei geschieht Inklusion sehr langsam. Man kann sie nicht erzwingen. Die Lehrkraft der Partnerklasse braucht einen langen Atem und darf sich nicht entmutigen lassen. Sie benötigt Durchhaltevermögen auf der Basis von positiver pädagogischer Einstellung. Probleme sind natürlich auch aufgetreten, so z.B. machten fehlende Nebenräume eine Differenzierung sehr schwierig, Therapien fehlten ganz. Es fehlt auch ein Rhythmikraum, ein Snoezelenraum und ein Wasserklangbett, was an der Stammschule vorhanden ist. Als sehr schwierig ist grundsätzlich die Regelung von Vertretungen. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass man mit der Partnerklasse Gast an der Regelschule ist und damit immer auch Bittsteller.

Um das Partnerschaftliche Zusammenarbeiten möglichst reibungslos zu gestalten, treffen sich die Rektoren beider Schulen und der Lehrer der Partnerklasse mehrmals im Jahr. Ziel der Besprechung ist die Reflexion und Planung der gemeinsamen Arbeit.

Partnerklassen bieten Vorteile für beide Schulen. Das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülern ist weniger auf Wissensvermittlung ausgerichtet, sondern auf Kennenlernen und soziale Haltungen. Wichtig dabei ist das Planen und Abstimmen der Arbeit mit der zuständigen Lehrkraft der Regelschule. Insgesamt sind für die Lehrkraft und die Klasse der Förderschule erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Voraussetzung ist ein hohes Maß an Idealismus mit der Bereitschaft, über das normale Maß hinaus Arbeit und Belastung zu übernehmen.

Hans Steinbauer

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