„Gender-Mainstream“

SoMi 01/2017 >>

Josef Kraus, vormaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes hat in einem Aufsatz vom Institut für Demographie, Allgemeinrecht und Familie e.V. zu „Gender-Mainstream und Pädagogik – wie passt das zusammen?“ Stellung bezogen. Hier zwei Ausschnitte aus dem vierseitigen Schreiben:

Die Bundesregierung kann da nicht zurückstehen. Einen zweistelligen Millionen-Betrag hat sie bereits „vergendert“. Zum Beispiel fördert das Ressort für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2003 ein „Gender Kompetenz Zentrum“, das ist ein „anwendungsorientiertes Forschungsinstitut“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Es gibt derzeit in Deutschland etwa 120 Professuren für alte Sprachen (unsere sprachlichen und kulturellen Wurzeln), aber 212 Professuren für Genderforschung!

Fazit:

Ich kann mich voll anschließen an das Rechtsgutachten zur Verfassungs- und Gesetzmäßigkeit der Erziehung von Schulkindern in Schleswig-Holstein zur Akzeptanz sexueller Vielfalt von Prof. Dr. Christian Winterhoff (Verfassungsrechtler, Uni. Hamburg) vom August 2016. Dessen wesentliche Ergebnisse sind:

  1. Aus den Grundrechten der Schüler und ihrer Eltern folgt, dass der Staat in der Schule hinreichende Neutralität und Toleranz wahren und die erzieherischen Vorstellungen der Eltern achten muss.
     
  2. Die Schule muss jeden Versuch einer Indoktrinierung mit dem Ziel unterlassen, ein bestimmtes Sexualverhalten zu befürworten oder abzulehnen. Sie hat das natürliche Schamgefühl der Kinder zu achten.
     
  3. Vor diesem Hintergrund erweist sich Unterricht mit dem Ziel, die Schüler zu einer befürwortenden Akzeptanz jeglicher Art von Sexualverhalten zu erziehen, als verfassungswidrig.
     
  4. Staatliche Vorgaben für die Sexualerziehung, die Hetero, Bi-, Homo- und Transsexualität als gleichwertige Ausdrucksformen von Sexualität vorgeben, verstoßen gegen das Indoktrinationsverbot.
     
  5. Im Falle einer indoktrinierenden Sexualerziehung besteht ein Befreiungsanspruch für die Kinder bzw. Eltern mit anderer Werteorientierung.

Schulische Veranstaltungen zum Thema „sexuelle Vielfalt“, wie sie durch schwul-lesbische Aufklärungsteams an öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein durchgeführt werden, verstoßen gegen geltendes Verfassungs- und Gesetzesrecht (Schulgesetz), wenn damit das Ziel der Vermittlung von Akzeptanz nicht-heterosexueller Verhaltensweisen verfolgt wird.

Im Art. 126 der Bay. Verfassung heißt es: „In persönlichen Erziehungsfragen gibt der Wille der Eltern den Ausschlag.“ Gibt es etwas Persönlicheres, Intimeres als die Sexualität? Papst Franziskus hat jüngst die Gender-Theorie als „Feind der Ehe“ bezeichnet. „Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören“, sagte er. Die Ehe werde nicht „mit Waffen zerstört“, sondern „ man zerstört sie mit Ideen“. Der Papst sprach von einer „ideologischen Kolonisation“ durch die Gender-Theorie. Die Auffassung teile ich. Es ist jedenfalls ein Kulturkampf, der sich hier abzeichnet. Dass das Grundgesetz Ehe und Familie unter den besonderen Schutz des Staates und Erziehung ausdrücklich als Recht der Eltern benennt, scheint nicht mehr überall zu gelten. Und nur mit Einschränkungen scheint leider auch zu gelten das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Jedenfalls kann derjenige nicht mit Toleranz rechnen, der sich gegen das repressive Toleranzverständnis und die Deutungshoheit der Protagonisten der Gender-Theorie stellt.

Hans Steinbauer

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