Neujahrsempfang der KEG Passau: Kinderklinik-Chef fordert mehr Zu- und Vertrauen

Eindringliche Mahnungen beim Neujahrsempfang katholischer Lehrer und Erzieher – „Das wichtigste Gut, unsere Kinder“

Als eine Haltung sieht der Bezirksvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG Erwin Müller diese Institution, in der christliche Werte gelebt werden. Gerade in Zeiten permanenter Verunsicherung der Bevölkerung sei dies umso wichtiger, unterstrich er beim Neujahrsempfang der KEG Passau. Müllers Mahnung: "Es geht um das wichtigste Gut, unsere Kinder." Ähnlich äußerte sich Kinderklinik-Chef Prof. Dr. Matthias Keller in seinem Festvortrag. Der Mediziner warnte vor Konsum-Panik, falschen Zwängen und einem regelrechten Markt von Heilsversprechen.



Beim Neujahrsempfang der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG: (v.l.) OB Jürgen Dupper, ehemaliger KEG-Bezirksvorsitzender Wilhelm Lindinger, stellvertretende Landesvorsitzende Walburga Krefting, Regierungsschuldirektor Ralf Reiner, Schulamtsdirektorin Frieda Dollinger vom Schulamt Passau, Festredner Prof. Dr. Matthias Keller, Kreis- und stellvertretende Bezirksvorsitzende Monika Freudenstein, stellvertretender Landrat Klaus Jeggle, Dr. Doris Zihlars von der Uni Passau, Landkreis-Personalratsvorsitzender Rektor Bernd Reischl, Schulamtsdirektorin Susanne Swoboda vom Schulamt Deggendorf, Bezirksvorsitzender Erwin Müller sowie stellvertretender Bezirks- und stellvertretende Kreisvorsitzender Robert Drexler. -Foto: Brunner


Der Hauptreferent skizzierte im Festsaal des Auersperg-Gymnasiums Freudenhain die entscheidenden Elemente von Kinderziehung und -betreuung: "Man braucht eigentlich nur Liebe, Fürsorge und natürlichen Menschenverstand." Der Schlüssel ist in den Augen des Ärztlichen Direktors der Kinderklinik Dritter Orden das Entwicklungsumfeld. Als negativ führte er neben Risikofaktoren wie psychischen Problemen der Eltern eine gestörte Eltern-Kind-Interaktion, permanente Stresssituationen, verunsicherte und überprotektive Eltern sowie Medienkonsum an, anstatt mit den Kindern zu spielen. "Es gibt nichts Sinnvolleres", so Dr. Keller.

"Eltern bestärken und Kinder stärken im Alltag" formulierte der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Zusatz-Qualifikation in Neonatologie als ein Rezept. Dazu zählt er respektvollen Umgang miteinander, Aufmerksamkeit und Zuwendung, Zutrauen und Vertrauen, aber auch Regeln und Grenzen. Keller, selbst vierfacher Vater, sprach sich dafür aus, Kinder selbst Erfahrungen machen zu lassen – "auch mit dem Restrisiko, dass was passiert, aber mit dem Urvertrauen, dass in der Regel nichts passiert." Kindern Zeit zu geben sich zu entwickeln, nannte der Referent als weiteren bedeutsamen Aspekt.

Kitas und Kindergärten dürften weder Kinderaufbewahrungsstätte noch Ort des übertriebenen Ehrgeizes in der Vermittlung von Faktenwissen und Fertigkeiten sein, unterstrich Keller, der auf eigene neurowissenschaftliche Studien und neonatologische Forschungsprojekte zurückgreifen kann. Der Vorsitzende der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hielt solche Mitarbeiter für ausschlaggebend, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und selbst widerstandsfähig sind gegenüber allgemeinen Katastrophen-Szenarien und Verunsicherung.

Die genannten Einrichtungen und ebenso Schulen dürfen nach Kellers Worten auch keine Spielwiese für experimentelle Pädagogik oder experimentelle Bildungskonzepte sein, die vielleicht plausibel und gut gemeint sind, jedoch die Kinder in ihrer Entwicklung lebenslang prägen. Stattdessen empfahl der Klinikdirektor die Zusammenarbeit und ein Netzwerk aller, die sich um die Familien kümmerten – "auch um Verunsicherung der Eltern zu verringern."

Der Professor gewährte den Zuhörern Einblicke in die Erforschung frühkindlicher Gehirnentwicklung, wofür der Schlüssel die Zeit unmittelbar nach der Geburt bis zum Alter von zwei, drei Jahren ist. "Jede Interaktion der Bezugsperson im häuslichen Umfeld, aber auch in Kindertagesstätten in dieser frühen Phase prägt im wahrsten Sinn des Wortes die lebenslange Entwicklung des Kindes", gab Keller zu bedenken. Der Rat des Mediziners in der Konsequenz daraus: Vorbild sein in Fürsorge und in Liebe nicht nur gegenüber den Kindern, sondern auch gegenüber den Eltern, aber auch gegenüber Mitarbeitern.

Eine gegenwärtig "sehr aufgeregte Gesellschaft" erkannte OB Jürgen Dupper, unter anderem wegen des "Aufreger-Themas Digitalisierung", das Eltern den Untergang des Abendlandes fürchten lasse, weil Kinder nun auch am Vormittag in der Schule das tun müssten, was sie nachmittags ohnehin schon tun würden. Trotz alledem versicherte Jürgen Dupper der KEG, sich in den Schulen auf die Stadt und den Landkreis Passau verlassen zu können. Denn, so der OB: "Auf jedes Kind kommt es an."

Angesichts einer Zeit gewaltiger Umbrüche und Schnelllebigkeit, aber auch der Schlagworte Globalisierung und Digitalisierung, die vielen Menschen Angst machten, plädierte Vize-Landrat Klaus Jeggle dafür, die Menschen abzuholen und mitzunehmen. "Wir brauchen vor allem moralisch-ethische Leitlinien", sagte der Vertreter des Landkreises, der die Vermittlung von Werten als wichtiger denn je einstufte. Sein Wunsch: Kindern aufzeigen, "dass man nicht alles tun muss, was man technisch tun kann." Gerade die Chancen und Gefahren der Medien müsse man im Auge haben – eine Aufgabe an den Schulen, "die nur mit Lehrkräften und nicht mit künstlicher Intelligenz gemeistert werden kann."

Für Coaching-Tage als Gesundheitsprävention für Lehrkräfte warb der KEG-Bezirkschef. Dadurch würden Lehrer resistenter gegen Alltagsstress und erlebten sich selbst handlungsorientierter – Eigenschaften, die sich sofort in den Kindern widerspiegelten. "Wer solche Lehrkräfte an seiner Schule hat, kann sich glücklich schätzen", betonte Erwin Müller beim Neujahrsempfang, den Steffi Rösch am Keyboard auf eindrucksvolle Weise musikalisch umrahmte. Zufrieden lächelnd nahmen viele Gäste ihr Tischkärtchen mit Marienkäfer, vierblättrigem Kleeblatt und der Losung "Viel Glück" mit nach Hause, das die KEG-Kreis- und stellvertretende Bezirksvorsitzende Monika Freudenstein als Hauptorganisatorin traditionell anfertigen hatte lassen.

Text und Foto: Bernhard Brunner in der PNP Passau

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