Mehr Eigenverantwortung für Schüler

Plädoyer für den LehrplanPLUS – Es geht um Lebensweltbezug und selbstständiges Arbeiten


Zuversicht strahlten KEG-Funktionäre und Ehrengäste aus: KEG-Bezirksvorsitzender Erwin Müller (v.r.), Domkapitular Manfred Ertl, Passaus 2. Bürgermeister Urban Mangold, Festrednerin Dr. Karin Oechslein, Vize-Landrat und Schulamtsdirektor Klaus Jeggle, KEG-Kreisvorsitzende Monika Freudenstein, stellvertretender Kreisvorsitzender Robert Drexler, Schulamtsdirektorin Frieda Dollinger und MdL Gerhard Waschler. - Foto: Brunner

 

Passau. Als großartiges Projekt, das mit seiner Kompetenz- und Ergebnisorientierung unter anderem deutlich mehr Wert auf den Lebensweltbezug legt, hat Dr. Karin Oechslein, Festrednerin beim KEG-Neujahrsempfang, den LehrplanPLUS angepriesen.

Die Direktorin des Bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) hielt ein flammendes Plädoyer für dieses neue schulartenübergreifende Unterrichtskonzept. "Den Schülern sollten Lernsituationen geboten werden, die selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten ermöglichen", nannte die Referentin als ein großes Plus im LehrplanPLUS.

Gesamte Persönlichkeit im Auge habenBei der traditionsreichen Veranstaltung der Katholischen Erziehergemeinschaft Passau im Diözesanseminar St. Maximilian machte die Bildungswissenschaftlerin kein Hehl daraus, dass gerade die Betonung des Leitbegriffs Kompetenzorientierung die Reaktion auf die internationalen Vergleichsstudien – vor allem PISA – sei. Die PISA-Untersuchungen der Jahre 2002 bis 2012 hätten sich vielmehr auf die Fähigkeit konzentriert, Kenntnisse und Fertigkeiten zur Bewältigung alltäglicher Herausforderungen einzusetzen.

Wie Karin Oechslein, die sich selbst als "begeisterte Lehrerin für Deutsch, Französisch und Spanisch" charakterisierte, weiter ausführte, sind die bei PISA und ähnlichen Tests eingesetzten Aufgabenstellungen an Kompetenzen ausgerichtet, die Schüler "für das Leben" brauchen. Die Konsequenz daraus für den LehrplanPLUS: "Die Anwendung des Gelernten in entsprechenden Aufgabenstellungen beziehungsweise den gesellschaftlichen Kontexten ist fester Bestandteil des kompetenzorientierten Unterrichts."

Eine entscheidende Bedingung für das neue bayerische Lehrplanmodell: Die gesamte Persönlichkeit des Schülers im Auge haben. Es basiere auf einem ganzheitlichen Bildungsverständnis, betonte die Festrednerin. Der Lehrplan folge dabei der Maxime der Bayerischen Verfassung, dass die Schule nicht nur Wissen und Können vermittelt, sondern auch Herz und Charakter bildet, so Karin Oechslein.

Als neue Sichtweise für Planung und Umsetzung des Unterrichts formulierte die ISB-Direktorin, dass der Unterricht von seinem Ziel aus gedacht werde. "Der langfristige Kompetenzerwerb der Schüler steht im Fokus", unterstrich sie. Es müssten beispielsweise auch Handlungssituationen geschaffen werden und mit einer anderen, kompetenzorientierten Art von Aufgabenstellungen ergänzt werden, die intelligentes Üben sowie Irrwege bei der Lösung zuließen. "Fehler dürfen gemacht werden – ausdrücklich – zum Lernen", hob sie hervor.

Nach den Worten der Bildungsforscherin ist der LehrplanPLUS – für die Grundschule und für die Wirtschaftsschule bereits gültig – eine große Chance, vieles in der Schule zu verändern. Dazu müssten die Lehrkräfte von den zahlreichen Vorteilen überzeugt werden, unter anderem durch Fortbildungen. Das ISB arbeite mit aller Kraft an der weiteren Verwirklichung des Projekts, das auch auf die Optimierung der Übergänge und Anschlüsse innerhalb der Durchlässigkeit des Schulsystems abzielt.

Neue LeitkulturgefordertDer Vorteile des LehrplanPLUS bewusst zeigte sich die KEG-Kreisvorsitzende. Er verbinde den aktiven Erwerb von Wissen und Kompetenzen im Unterricht, erklärte Monika Freudenstein. Die Schüler schaffen sich dadurch "Werkzeuge", die sie zur Lösung lebensweltlicher Problemstellungen, zur aktiven Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen und an kulturellen Angeboten sowie nicht zuletzt zum lebenslangen Lernen befähigen, wie die Lehrerin aus Passau deutlich machte.

Überlegungen, wie das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit im Schulleben umgesetzt werden könne, wünschte sich Domkapitular Manfred Ertl als Vertreter von Bischof Dr. Stefan Oster in seinem Grußwort. Im Hinblick auf die weit verbreitete Wegwerf-Mentalität und die Konsumorientierung der Gesellschaft forderte Passaus 2. Bürgermeister Urban Mangold "endlich eine neue Leitkultur". Das sei eine Herausforderung für alle Politiker. "Aber wer könnte sie der Jugend besser vermitteln als christliche Pädagogen", fragte der ÖDP-Politiker in die Runde. Dankeschön für den sehr wichtigen Dienst der Lehrer zu Gunsten der Gesellschaft, auch bei der Integration der Flüchtlinge, sagte der stellvertretende Landrat Klaus Jeggle, zugleich Schulamtsdirektor, beim Neujahrsempfang. "Der Schüler der Zukunft soll viel mehr ins Lerngeschehen eingebaut werden", merkte der KEG-Bezirksvorsitzende Erwin Müller an. Dazu solle Verantwortung übertragen werden – "und die muss der Lehrer erst abgeben", skizzierte er eine der Schwierigkeiten bei der Umsetzung des LehrplanPLUS, zu der auch die Eltern als Erziehungspartner gebraucht würden. Allen Pädagogen bot Müller die Unterstützung der KEG an. Denn: "Wenn sich alle begleitet fühlen, dann wird das Ganze erfolgreich."

Ein Bericht von Bernhard Brunner in der PNP vom 06.02.2016

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