Auf die Lehrer kommt es an

KEG- Landesvorsitzende Ursula Lay beim Neujahrsempfang des Kreisverbandes Passau

Schule und Unterricht zu verbessern und dabei die Menschen mit ihren Talenten zu sehen, welch wertvollen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten. Dieses Anliegen der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) bei der Schulentwicklung hat Festrednerin Ursula Lay aus Traunstein, KEG-Landesvorsitzende und Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände (abl), beim Neujahrsempfang der KEG Passau im Festsaal von St. Max unter dem Thema "Tendenzen in der Bildungspolitik" betont. Der Erzieherverband feiert heuer sein 60-jähriges Bestehen.

"Schulentwicklung kann ohne Werteerziehung nicht stattfinden", sagte Ursula Lay vor rund 50 Teilnehmern aus Schule, Kindergarten, Uni, Kirche, Politik und Wirtschaft. Dabei gelte es den Fokus auf die Menschen zu richten. Ziel der Schulentwicklung sei es, die Qualität von Schule und Unterricht zu sichern, zu steigern und das Lernklima zu verbessern.

Lay sah im neuen Grundschullehrplan, der derzeit erarbeitet wird, eine Chance, Schulentwicklung voranzutreiben. Im Vordergrund stünden nicht mehr Inhalte, sondern Kompetenzvermittlung. Sie hoffte auf mehr Eigenverantwortung der Schule. Thema der Schulentwicklung sei auch die Inklusion. Die KEG sei aber für eine Beibehaltung der Förderzentren. Im Mittelpunkt sollten Persönlichkeit und Kompetenzerwerb stehen. Am besten lernten Kinder, wenn sie attraktive Ziele erkennen, Erfolgserlebnisse haben, selbstbestimmt vorgehen können und Fehler machen dürfen. Sie warb für die flexible Grund- und die Ganztagsschule als Angebot sowie für mehr Elternarbeit.

Lay erklärte der Gesamtschule und der Gemeinschaftsschule eine Absage. Einer Studie des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie zufolge steige der Lernerfolg der Schüler dann, wenn Lehrer eine aktive Rolle spielen. Gemäß seiner Forschung mit Daten von 250 Millionen Schülern hemmten Sitzenbleiben, übermäßiges Fernsehen und zu lange Sommerferien das Lernen. Offener Unterricht, Weborientierung und kleine Klassen würden laut Hattie nicht schaden, aber auch nichts nützen. Guter Unterricht beinhalte für ihn regelmäßige Proben, Vorschule, Zusatzangebote für starke Schüler, Leseförderung und vertrauensvollen Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Lehrer seien Begleiter auf dem Lernweg, Brückenbauer und Antreiber. Die KEG trete dafür ein, dass jeder Mensch mit seinen Talenten als wertvoll gilt.

60 Jahre KEG sei eine Erfolgsgeschichte, sagte Kreisvorsitzende Monika Freudenstein. Die KEG sei als freier Zusammenschluss von Erziehern aller Schularten gegründet worden, um Förderung des Erziehungs-, Bildungs- und Schulwesens nach den Grundsätzen der katholischen Kirche zu leisten. Hauptziel der KEG-Arbeit sei die Stabilisierung des "K", die Absage an wertneutrale Wissensvermittlung, die Pflege des Heimatgedankens und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lehrer gewesen. Heute sei die KEG ein Verband christlich orientierter Pädagogen aus allen Erziehungsbereichen, der auf christlicher Glaubensüberzeugung und europäischer Kulturtradition gründet. Die Kreisgruppe sei von Anfang dabei und aus der 1953 in Fürstenzell aus der Taufe gehobenen Bezirksgruppe Passau-Land-Süd hervorgegangen. Sie sei der größte und mitgliedsstärkste Kreisverband Niederbayerns.

Die KEG sei ein Verband für Pädagogen, die ihren Bildungsauftrag innerhalb des Wertehorizonts und auf dem Glaubenskanon der Kirche verwirklichen, sagte Domkapitular Manfred Ertl. Sie seien Zugpferde, wenn es um charakterliche und religiöse Bildung in der Gesellschaft geht. Unabhängig von Methoden und Didaktik bleibe der Anspruch, sich mit ganzem Herzen und ganzer Seele einzusetzen, damit junge Leute als Menschen heranreifen, die selbstbewusst, eigenständig und beherzt ihr Leben und Kirche und Gesellschaft gestalten.

"Kinder brauchen Zeit", sagte dritter Bürgermeister Anton Jungwirth. Heute habe man immer weniger Zeit für andere. Auch Kinder und Jugendliche seien davon betroffen. Für freie Zeit und Kindsein bleibe immer weniger Platz. Kinder bräuchten aber diese Zeit in ihrem persönlichen Tempo. Es gelte dafür zu sorgen, dass sie Aufmerksamkeit und Erziehungszeit erhalten. Dies sei Aufgabe der Eltern und auch der Gesellschaft. Die Stadt lege den Schwerpunkt auf bestmögliche Bedingungen für Bildung. Ihr Ziel 2013 sei, 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Krippenplatz anzubieten.

Gerade die Lehrer der KEG leisteten einen besonderen Beitrag für die Kinder, lobte stellvertretende Landrätin Gerlinde Kaupa. Sie setzten sich für gute Schulbildung und zukunftsorientierte Ausbildung ein. Wichtig sei, auch Schwächeren eine Chance zu geben.

Die KEG habe sich im 60. Jahr ihres Bestehens die Werteerziehung auf die Fahne geschrieben, sagte Erwin Müller, stellvertretender KEG-Bezirkschef. Ihr Auftrag sei, nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern auch Werte, Herz und Charakter zu bilden. Sie ringe darum, moralisches und soziales Lernen an der Schule zu platzieren. Die Mitglieder der KEG seien Modell und Vorbild, nähmen sich Zeit für die Menschen, kämen miteinander ins Gespräch.

Steffi Rösch umrahmte die Feier mit kraftvoller, energiegeladener Klaviermusik, mit Improvisationen und Eigenkompositionen nach Kathi Stimmer-Salzeder.

Theresia Wildfeuer

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