Katholische Erziehergemeinschaft (KEG)
Bezirksverband Niederbayern - Kreisverband Passau
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Engagement für Bildung von Anfang an

Professor Oberreuter kritisiert beim Neujahrsempfang der KEG Passau Sparmaßnahmen in Kindergärten und Schulen

Mehr Geld für Bildung, eine Rückbesinnung auf Humboldts Ideale und eine Orientierung an ethischen Prinzipien hat Professor Dr. Dr. Heinrich Oberreuter in seiner Festrede zum Thema "Bildungspolitik im Umbruch zur Wissensgesellschaft" beim Neujahrsempfang der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) im Festsaal von St. Max angemahnt.

Wie zu Humboldts Zeiten ächze auch heute das Bildungssystem unter einer Vielzahl von Herausforderungen, herrsche Unzufriedenheit über die Leistungsfähigkeit von Schulen und Universitäten, sagte Oberreuter vor Gästen aus Schule, Universität, Kindergarten, Kirche, Kultur, Kommunalpolitik und Wirtschaft, darunter Regierungsschuldirektor Josef Schätz, Unipräsident Professor Dr. Walter Schweitzer und Schulamtsdirektor Hubert Kainz. Dabei sei Wissen zum wichtigsten Produktionsfaktor der Zukunft geworden. Dies setze Veränderungen in allen Bereichen des Bildungssystems voraus.
 
Geld sei nicht alles, es brauche auch Ideen, betonte Oberreuter. Doch im OECD-Vergleich nehme Deutschland bei den Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung Platz 30 ein. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt sei zwischen 1995 und 2008 von 6,8 auf 6,2 Prozent gesunken. Bayern wende nur 4,7 Prozent des BIP für Bildung auf. Er nannte die Sparstrategien als "willkürlich, konzeptionslos und unbedacht", sprach von der "Verantwortungslosigkeit" der Politiker. Nicht alles, was "mehrheitsfähig" ist, sei für die Zukunft nachhaltig richtig.

Oberreuter sah drei Problemfelder. Zum einen die Instrumentalisierung von Bildung als Dienstleistung und ihre Kommerzialisierung. 70 Prozent der Mittel für Forschung und Entwicklung kämen in Bayern nicht aus dem Staatshaushalt, sondern aus der Wirtschaft. Bildungspolitische Konzepte liefere nicht das Kultusministerium, sondern zum Beispiel Roland Berger. Doch eine Ausrichtung von Ausbildungsgängen am gegenwärtigen Bedarf führe in der Zukunft angesichts des rasanten Wandels ins berufliche Abseits.

Als zweites Problemfeld nannte Oberreuter den Konflikt zwischen egalitärer Nivellierung und Leistungsprinzip. Er plädierte für das Modell "jedem das Seine und das optimal". Universitäten dürften nicht zu besseren Gymnasien werden. Das deutsche Hochschulsystem sei leistungsfähiger als das der USA. Man könne die Eliteuniversität Harvard, die nach Humboldtschen Idealen geformt ist, angesichts ihres Etats von 36,9 Milliarden Dollar (vor der Finanzkrise) und Studiengebühren von 30 000 Dollar je Student jährlich nicht nachahmen. Doch Deutschland könne davon vieles lernen, zum Beispiel kleine Seminare, die "weit weg von den frustrierenden leistungsfeindlichen Verhältnissen deutscher Massenuniversitäten" sind. Bologna verhindere die Herausbildung von Spitzen.

Die deutsche Finanzierungspyramide stehe auf dem Kopf, sagte Oberreuter. "Kindergärten sind für die Eltern teuer, Universitäten sollen dagegen möglichst umsonst sein." Investitionen und Förderungen in der Frühphase seien jedoch sinnvoller als hinterher in Sozialarbeit investieren zu müssen. Oberreuter plädierte frei nach Humboldt dafür, nicht mehr ein Berufsbild in das Zentrum der Ausbildung zu stellen, sondern die Selbstverantwortung der jungen Leute zu stärken, damit mehr Menschen zu Initiatoren von neuen Ideen, Dienstleistungen und Netzwerken werden, Allgemeinbildung und auch Arbeitstugenden stärker fördern sowie Schlüsselqualifikationen zu vermitteln.

"Humboldt würde auch das Anliegen der KEG fordern und fördern, die Werteerziehung", sagte Oberreuter. Christliche Tradition habe es in der heutigen individualisierten, pluralistischen Gesellschaft schwer, akzeptiert zu werden. Doch um dem Zusammenleben eine wertorientierte Basis zu geben, die Humanität in der Gesellschaft angesichts von Stammzellenforschung und Gentechnik aufrecht zu erhalten, sei es notwendig, sich an den ethischen Prinzipien, welche die Religionsgemeinschaften transportieren, zu orientieren. Die KEG bewahre und erinnere an dieses normative Fundament.

KEG-Kreisvorsitzende Monika Freudenstein betonte das Prinzip des ganzheitlichen Lernens und den wertschätzenden Umgang mit den Kindern. Um Kinder und Familien bestmöglich begleiten zu können, zum Beispiel beim Übergang in Kindergarten, Grund- und weiterführende Schule bedürfe es der Vernetzung und Kooperation der Bildungsorte und der Kooperation mit den Eltern. Schule habe nicht nur einen Bildungs-, sondern auch einen Erziehungsauftrag. Dieser werde angesichts des schleichenden Verlusts von Werten immer schwieriger. Dem gelte es gegenzusteuern.

Domkapitular Gerhard Auer überbrachte die Segenswünsche von Bischof Wilhelm Schraml für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Studenten. Bürgermeister Urban Mangold würdigte das Engagement der Erzieher und Pädagogen. Es gelte, den Kindern nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern ihnen auch nahe zu bringen, nicht nur an Geld und Materielles zu denken, sondern auch an Werte und Gerechtigkeit und so zu handeln, dass es verträglich ist für nachfolgende Generationen. Auch er forderte mehr Geld für Bildung und eine zweite Kraft in Grundschulklassen.

Die Mitglieder der KEG dürften Stolz auf ihr Anliegen sein, wertorientierte Erziehungsarbeit zu leisten, sagte stellvertretende Landrätin Gerlinde Kaupa. Sie würden dafür eintreten, dass jedes Kind eine optimale Schulbildung erhält, sich zu einer verantwortungsbewussten Persönlichkeit entwickelt und gute Perspektiven erhält. Der Landkreis unterstütze sie weiterhin dabei. KEG-Bezirksvorsitzender Friedrich Doering betonte die Bedeutung der Werteerziehung im Blick auf das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Er berichtete über positive Erfahrungen aus dem Geschichtsunterricht mit Zehntklässlern, die kritisch hinterfragten und eigene Haltungen überdenken würden. Steffi Rösch umrahmte den Empfang eindrucksvoll musikalisch.

Theresia Wildfeuer

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